Das Buch

"Competitive Intelligence - Konkurrenzanalyse als Navigationssystem im Wettbewerb" richtet sich an Praktiker in kleinen und mittleren Unternehmen, die die Beobachtung ihrer Wettbewerber endlich auf eine systematische und professionelle Grundlage stellen wollen. Das Buch stellt die Grundlagen dieser neuen Disziplin praxisnah und unterhaltsam vor, beschreibt den Aufbau eigener CI-Prozesse und hilft unter anderem bei der Suche nach externen Dienstleistern.

Einleitung

Competitive Intelligence – dieser Begriff geistert erst seit wenigen Jahren durch die deutsche Öffentlichkeit und ist aus verschiedenen Gründen missverständlich. In seiner Abkürzung „CI“ tritt er in Konkurrenz zur „Corporate Identity“, für den Thriller-Freund klingt er wie CIA und damit nach Geheimdienst, und in seiner schlichten Übersetzung als „Konkurrenzanalyse“ entpuppt er sich scheinbar als alter Hut. Dass CI (und alle Marketing-Experten unter den Lesern mögen mir verzeihen, dass ich im Folgenden dieses Kürzel benutze und damit die älteren Rechte der Corporate Identity verletze) weit mehr ist als das, soll dieses Buch darlegen.

Metaphern helfen sehr beim Verständnis eines Sachverhaltes, der entweder komplex oder aber wenig bekannt ist. „Competitive Intelligence ist das Navigationssystem im Wettbewerb“ – das bringt sehr genau auf den Punkt, was CI ist: ein System zur Beobachtung und Steuerung eines Unternehmens unter Berücksichtigung der anderen „Verkehrsteilnehmer“ im globalisierten wirtschaftlichen Umfeld. Die Metapher suggeriert auch: Wir sind selbst unterwegs und beobachten das Wettbewerbsumfeld sowie die Bewegungen der anderen Marktteilnehmer, aber unser Ziel ist es, ohne Kollisionen und unter Beachtung der Verkehrsregeln auf möglichst schnelle und intelligente Art und Weise zum Ziel zu kommen. Navigationssysteme waren noch vor wenigen Jahren vorwiegend militärisch genutzte Geräte – inzwischen werden sie immer mehr zur Selbstverständlichkeit und sind so klein und leistungsfähig, dass sie nicht nur in Fahrzeugen, sondern sogar von Fußgängern sinnvoll genutzt werden können. Eine ähnliche Entwicklung hat Competitive Intelligence in der Unternehmenswelt genommen. Ausgehend von ihren Ursprüngen im nachrichtendienstlichen Umfeld sickerte im Laufe der letzten Jahrzehnte die Erkenntnis der Nützlichkeit von analysierten Informationen über Wettbewerb und Wettbewerber über den Ansatz der strategischen Unternehmensführung immer stärker auch in die Praxis des mittleren Managements großer und in die Führungsetagen kleinerer und mittlerer Unternehmen ein. Dies geschah nicht überall gleichzeitig und wie bei vielen anderen Entwicklungen auch gerade in Deutschland mit einer erheblichen Zeitverzögerung...

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Inhaltsverzeichnis

  1. Akteure
  2. Basics
  3. Checklisten
  4. Lesen und Dokumentieren: Sekundärrecherche
  5. Reden und Zuhören: Primärrecherche
  6. Denken und Verdichten: Analyse
  7. Verpacken und Verteilen: Distribution
  8. Verbergen und Verhindern: Counterintelligence

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Probekapitel

Kapitel 8: Verbergen und Verhindern: Counterintelligence

Zunächst eine begriffliche Unterscheidung. Von Wirtschaftsspionage spricht man, wenn die Akteure fremde Nachrichtendienste sind, Industriespionage geht von anderen Unternehmen aus. Beide Begriffe beschreiben die illegale Beschaffung von Informationen über ein Unternehmen, bei der unter anderem Abhörtechniken und Software-Angriffe genutzt werden. Mit der Abwehr von Wirtschaftsspionage sind in Deutschland die Verfassungsschutzbehörden befasst, gegen Industriespionage müssen sich die Unternehmen selbst schützen. Der Verfassungschutz in Bund und Ländern bietet Beratung zu diesem Thema an und verspricht Vertraulichkeit – was er aufgrund des Opportunitätsprinzips im Umgang mit strafrechtlich relevanten Dingen auch darf (im Gegensatz zum Legalitätsprinzip, dem die Polizei verpflichtet ist und das sie dazu zwingt, jede Vermutung in Richtung einer Straftat zu verfolgen).

Counterintelligence bezeichnet die Regeln und Prozesse, die dazu dienen sollen, das Unternehmen vor Ausforschung mit legalen und mit illegalen Mitteln zu schützen. Diese liegen aber jenseits der klassischen Sicherheitsmaßnahmen – und werden von vielen Unternehmen sträflich vernachlässigt. Leider gibt es eine Reihe von Dienstleistern der Sicherheitsbranche, die in ihrer Terminologie die Unterscheidung zwischen legal und illegal völlig verwischen. So wird z.B. auf der Website eines international tätigen Sicherheitsunternehmens Corporate Intelligence mit Wirtschaftsspionage und Business Intelligence mit Betriebsspionage gleichgesetzt und behauptet, dass es sich kein Unternehmen leisten könne, ohne Betriebsspionage auszukommen und Spionage im Grunde genommen nicht illegal sein müsse.

Mit Texten wie diesem, die eine diffuse Gefahr beschwören, zur „Spionage“ mit legalen Mitteln aufrufen und dabei sämtliche Begriffe durcheinander bringen, wird vielleicht der ein oder andere Kunde gewonnen, aber im großen Maßstab Glaubwürdigkeit verspielt und das legitime und ethisch einwandfreie Sammeln und Auswerten von Informationen aus öffentlichen Quellen in Misskredit gebracht. Was letztlich dazu führt, dass sich „anständige Unternehmer“ mit diesem Gewerbe nicht beschäftigen möchten und sie dadurch erstens Erkenntnisgewinne über und Schutz vor ihren Wettbewerbern verlieren...

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Bibliografische Daten und Bestellmöglichkeiten

Andreas Romppel
Competitive Intelligence
Konkurrenzanalyse als Navigationssystem im Wettbewerb

ISBN: 3-589-23654-X
Verlag Cornelsen Scriptor, Reihe: Handbücher Unternehmenspraxis
Aktueller Ladenspreis: 29,90 Euro.

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