Jul 21

aall.jpgWer als CI-Profi unter Zeitdruck steht und rechtfertigen muss, warum bestimmte Dinge nun mal nicht schneller gehen können (und ich kenne keinen Kollegen, dem es nicht so geht), sollte sich den Blog-Post der Autoren Greg Lambert, Laura A. Walter, Mark Gediman und Emily Rushing des AALL Spectrum zu Gemüte führen. Hier eine Zusammenfassung ihrer Thesen - die Lektüre des gesamten Textes lohnt sich:

1. Einen CI-Report innerhalb von 10 Minuten haben zu wollen, hat mit “Intelligence” nichts zu tun, sondern ist reines “Reporting” - weil in dieser Zeit höchstens Fakten zusammengetragen, aber keine erkenntniserweiternden Schlüsse gezogen werden können.

2. Vorgefertigte Reports einschlägiger Anbieter leiden darunter, dass sie in der Regel ebenfalls lediglich Fakten enthalten, aber keine Analysen - und zudem oft unvollständig und manchmal schlicht fehlerhaft sind. Zudem setzen sie nicht am spezifischen Interesse des eigenen Unternehmens an, sondern sind oft zu allgemein gehalten. “To identify the correct answer for your firm, in your circumstance, requires custom analysis and coordinated effort with firm leaders.”

3. Die Auftraggeber von CI-Anfragen müssen daran gewöhnt werden, ihr CI-Team rechtzeitig in Entscheidungsprozesse zu integrieren. Ein frühzeitiger Kontakt zu denjenigen, die für Planung und Umsetzung von Maßnahmen verantwortlich sind, befördert den Nutzen von CI-Recherchen enorm. “Monitoring the RFP and new client lists will allow you to prepare “quick & dirty” analyses proactively for the group which will show you are willing to help them succeed.”

4. CI-Auftraggeber müssen den Unterschied zwischen einer Kurzanfrage und einer umfassenden CI-Analyse lernen. Es geht vor allem darum, Erwartungen zu managen - dabei hilft es, Beispiele unterschiedlicher CI-Produkte mit dem dazugehörigen Aufwand vorzeigen zu können.

5. Trotz allem muss man sich darüber im klaren sein, dass die 10-Minuten-Anfragen immer kommen werden. Darauf sollte man sich in seinen Abläufen einstellen - nicht ohne immer die Grenzen von “Quick&dirty”-Auskünften zu kommunizieren, und was es an Zeit und Aufwand kosten würde, zu valideren Aussagen zu kommen. Hilfreich könnte auch sein, die Nutzer direkt zu den Quellen zu führen - was möglicherweise für alle Beteiligten von Vorteil sein kann (Zeitersparnis auf der einen, Arbeitsersparnis auf der anderen Seite).

Fazit: “10 minute CI is possible (quick news scans, Google searches, etc.) but cannot be considered comprehensive or exhaustive. It is important to communicate to CI clients that things may be missed and the end result may not be as easy to assimilate when responding to this type of request.”

written by Andreas Romppel

Jul 14

Praxisleitfaden E-CommerceDer Arbeitskreis E-Business des Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) hat einen überaus umfassenden und detailreichen Ratgeber zum Aufbau von E-Commerce-Angeboten herausgegeben, der kostenlos heruntergeladen werden kann. Am Ende der Lektüre muss man sagen: wer sich von dieser Beschreibung der Komplexität und des Aufwands eines E-Commerce-Projektes nicht hat abschrecken lassen, muss eine Menge Ressourcen im Hintergrund und den Mut zur Lücke besitzen. Trotzdem: das geballte Know-how dieses Praxisleitfadens E-Commerce ist beeindruckend.

Weniger beeindruckend, aber sehr typisch für eine Vielzahl an Investitionen (online und offline) ist die Tatsache, dass das Thema Wettbewerb ausgesprochen stiefmütterlich behandelt wird. Anders ausgedrückt: es fehlt. Die 83 Seiten Inhalt konzentrieren sich voll und ganz auf die internen bzw. direkt steuerbaren Aspekte beim Aufbau eines Online-Angebots. Bis auf die Erwähnung weniger Stichworte fehlen grundsätzliche Fragen und Tools in Bezug auf aktuelle und potenzielle Konkurrenzangebote. Nicht ein Hinweis darauf, dass die eingehende Beschäftigung mit Wettbewerbern wertvolle Informationen auf Zielgruppen, Preisstrukturen, Positionierungen und (mitunter teure) Lernerfahrungen bieten könnte - geschweige denn (und daran habe ich mich ja inzwischen gewöhnt) eine Bemerkung über den Nutzen einer systematischen und professionellen Konkurrenzanalyse.

Jahaa, aber auf Seite 24 des Leitfadens wird das Thema doch angesprochen, mag der geneigte Leser jetzt einwenden. OK, angesprochen: “Dabei sollte die Analyse auch einen vergleichenden Blick auf den Wettbewerb umfassen…” Aber in der Liste der 15 Punkte, die dann folgen, fehlen so wesentliche Dinge wie die Frage danach, wer eigentlich meine Konkurrenten sind. Oder welche Quellen für Wettbewerbsinformationen existieren. Oder vielleicht auch ein Hinweis darauf, mit welchen Tools ich sie auswerten kann.

Wenn die Begriffe “Position” und “Positionierung” ausschließlich im Zusammenhang mit Screendesign und Suchmaschinen verwendet werden, ist das - um eine jahreszeitlich passende Metapher zu verwenden - wie ohne Navigationsgerät, Landkarten, Scheibenwischer und Stauwarnungen aus dem Radio in den Sommerurlaub zu fahren. Die anderen sind zwar schneller da. Aber solange ich unterwegs bin, merke ich das wenigstens nicht.

written by Andreas Romppel

Jun 30

euroforum-s.jpgEuroforum wird ab Herbst einen schriftlichen Lehrgang zum Thema Competitive Intelligence in Kooperation mit dem dcif anbieten. In sieben Kapiteln lernen die Teilnehmer die Grundlagen systematischer und professioneller Konkurrenzanalyse von einigen der kompetentesten Experten in diesem Gebiet, die sich auch in der CI-Community Verdienste erworben haben. Als fachlicher Leiter werde ich unter anderem darauf achten, dass die Inhalte dem SCIP Code of Ethics entsprechen.

Zum Autorenteam gehören Dr. Eduardo Flores Bermudez (Bayer Schering Pharma AG und Vice President von SCIP), Kai Goerlich (SAP), Prof. Dr. Martin Grothe (Complexium, Universität der Künste Berlin), Christian Muth (Ernst & Young), der Unternehmensberater Jörg Praetorius und Jens Thieme (Ciba/BASF, SCIP Board Member, Swiss CI Association).

Außerdem freut es mich, dass wir die Unternehmen LexisNexis sowie Qitera gewinnen konnten, für den Zeitraum des Kurses die Teilnehmer zu unterstützen. Die Kooperation mit dem dcif bezieht sich übrigens nicht nur auf die fachliche Aufsicht - dcif-Mitglieder erhalten zudem einen Rabatt von 10% auf die Kursgebühr.

Weitere Informationen finden Sie unter www.euroforum.de.

written by Andreas Romppel

Jun 19

Für unser aktuelles dcif-Event in Berlin am Dienstag, den 30.6.2009 haben wir einen zweiten Sprecher gefunden:

Apu Gosalia ist Head of Strategic Marketing bei der Fuchs Petrolub AG, einem weltweit tätigen Konzern in der Schmierstoffindustrie. Er wird über den globalen Markt und die Wettbewerbssituation in seiner Branche sprechen und besonders darauf eingehen, wie sich die aktuelle Lage auf die Branche sowie die Praxis der Competitive Intelligence in seinem Unternehmen auswirkt.

Das aktualisierte Programm:

14:00 Uhr - Meet&Greet
14:30 Uhr - Dr. Eduardo Flores Bermudez (Bayer Schering Pharma AG): “Competitive Intelligence in Zeiten der globalen Wirtschaftskrise”
15:30 Uhr - Apu Gosalia (Fuchs Petrolub AG): “Competitive Intelligence in der Schmierstoffindustrie”
16:30 Uhr - Pause mit Fingerfood und Snacks
17:00 Uhr - Podiumsdiskussion: SCIP fusioniert mit dem Frost & Sullivan Institute: Auswirkungen auf die Competitive Intelligence-Community
18:00 Uhr - Ende der Veranstaltung

Im Anschluss an diese Veranstaltung möchten wir uns zu einer informellen Runde in einem der Restaurants in der Nähe zusammensetzen - auch dazu eine herzliche Einladung.

Auch hier noch einmal der Hinweis darauf:  wer 10 Euro drauflegt und für 100 Euro Mitglied im dcif wird, braucht für diese Veranstaltung wie für alle weiteren regulären dcif-Veranstaltungen in den nächsten zwölf Monaten nichts zu bezahlen. Alle anderen zahlen 90 Euro (jeweils inkl. MwSt.) bzw. 45 Euro (Studenten) oder bekommen als SCIP- oder DGI-Mitglieder einen Rabatt von 20%.

Weitere Infos finden Sie unter www.dcif.de, Anmeldung gerne auch bei mir direkt unter romppel [at] dcif [Punkt] de.

written by Andreas Romppel

Jun 19

Dieser Satz von Harald Schmidt gestern Abend im Ersten ist zu schön und zu böse, um ihn nicht auch auf die Praxis der Konkurrenzanalyse anzuwenden: “Ahnungslosigkeit ist die Objektivität der schlichteren Gemüter.”

Was dabei herauskommt, wenn man Ahnungslosigkeit mit dem üblichen Maß an Topimierung kombiniert und dann stille Post über mehrere Hierarchieebenen hinweg spielt, kann man an dem folgenden Text ablesen, den ich schon vor einiger Zeit im Netz gefunden hatte (ohne den wahren Autor ausfindig machen zu können):

How shit happens

Es kamen die Annahmen, und die Annahmen waren nicht fundiert, und der Plan war völlig ohne Substanz; und Zweifel lagen auf den Gesichtern der Projektmitarbeiter, und sie redeten und redeten miteinander und sagten: “Das ist ein Haufen Scheiße und er stinkt!”

Die Projektmitarbeiter gingen zu den Teilteamleitern und sagten: “Das ist ein Haufen Mist und keiner erträgt den Gestank!”

Und die Teilteamleiter gingen zu den Teilprojektleitern und sagten: “Das ist wie ein Eimer voller Fäkalien und riecht so stark, dass keiner damit zu tun haben will.”

Und die Teilprojektleiter gingen zu den externen Beratern und sagten: “Das ist ein Fass voller Gülle und verbreitet einen starken Duft!”

Und die externen Berater gingen zur Projektleitung und sagten: “Das enthält Dünger und ist sehr stark.”

Und die Projektleitung ging zum Lenkungsausschuss und sagten: “Das fördert Wachstum und hat Power!”

Und der Lenkungsausschuss ging zum Vorstand und sagte: “Dieser neue Plan wird aktiv das Wachstum und die Effizienz fördern.”

Und der Vorstand blickte auf den Plan und sah, dass er gut war, und der Plan wurde Realität!

And that is how shit happens!

written by Andreas Romppel