Mai 11

chicago3-350px.jpgEnde April fand wieder die Jahreskonferenz der internationalen Berufsvereinigung der Konkurrenzforscher SCIP statt, diesmal in Chicago. Die Krise ist nicht spurlos an unserem Berufsstand vorbeigegangen - das zeigte schon die gesunkene Zahl der Aussteller und Teilnehmer des Events. Aber auch an der für viele überraschenden Ankündigung aus der letzten Woche, dass SCIP einen Merger mit dem Frost & Sullivan Institute plant, um eine mögliche Zahlungsunfähigkeit abzuwenden (dazu weiter unten mehr).

Beim Rundgang über die Ausstellungshalle zeigte sich, dass die Mehrheit der Anbieter den Umständen entsprechend zufrieden waren. Die gut 500 Teilnehmer der Konferenz waren fast ausschließlich ernsthaft interessiert, so die Auskunft - die Gespräche seien intensiver und verbindlicher gewesen, was angesichts der allgemeinen Budgetkürzungen auch zu erwarten war.

Inhaltlich lag ein besonderer Schwerpunkt in diesem Jahr auf “CI 2.0″ - also die Frage, wie sich Competitive Intelligence durch das Web 2.0 verändert. Einen weiteren Schwerpunkt habe ich bei der Frage ausgemacht, was Konkurrenzanalyse im Zeichen der Krise bedeutet, wo ihr spezifischer Nutzen bzw. der ROI liegt und welche Methoden effektiv, aber auch besonders kostengünstig sind. Zur Konferenz habe ich ein Seminar aufgesetzt, auf dem ich diese Woche (12. Mai) in Wiesbaden die wichtigsten Inhalte und Trends referiere.

chicago2-250px.jpgAls Vertreter des Deutschen Competitive Intelligence Forum (dcif) waren Rainer Michaeli und ich dabei. Rainer Michaeli wurde auf der Konferenz übrigens mit dem Fellows Award für seine außergewöhnlichen Verdienste um das Berufsfeld CI sowie für seine Unterstützung von SCIP als Organisation ausgezeichnet.

Die Mehrzahl der Mitglieder von SCIP kommt weiterhin aus den USA - trotzdem wird SCIP insgesamt internationaler. Das zeigt sich meiner Meinung nach in der gestiegenen Bedeutung nationaler Zusammenschlüsse nach dem Vorbild des dcif, aber auch in der Zusammensetzung des Vorstands. Dem gehören inzwischen Mitglieder aus Deutschland, der Schweiz, Brasilien und Argentinien an.

Eine dramatische Entwicklung in Bezug auf die finanzielle Lage von SCIP wurde in der letzten Woche öffentlich, als die SCIP-Präsidentin Martha Gleason in einem Brandbrief die Mitglieder des Berufsverbandes dazu aufforderte, einem Merger mit dem Frost & Sullivan Institute zuzustimmen. Die Alternative sei eine Einstellung der Tätigkeit bis zum Ende des zweiten Quartals. SCIP konnte in den letzten Jahren keine Rücklagen bilden und macht - wie viele andere Verbände auch - einen wesentlichen Teil seines Umsatzes über die Jahreskonferenz, der dieses Jahr deutlich geringer ausfiel. Das zeichnete sich aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage schon ab, und seit einem halben Jahr wurden die verschiedensten Optionen geprüft. Als einzig praktikable und - den Umständen entsprechend - optimale Lösung wurde nun der Merger empfohlen. Die Mehrheit der SCIP-Mitglieder, die sich bisher dazu geäußert haben (z.B. im CI-Network auf Ning), steht dem Merger positiv gegenüber.

written by Andreas Romppel

Apr 02

Wie bereits auf der dcif-Seite vermeldet, wird vom 4. bis 6. November 2009 die nächste europäische SCIP-Konferenz in Amsterdam stattfinden. Ich arbeite im Organisationskomitee mit, das jetzt für eine Reihe von Themen Sprecher sucht, die innovative und aktuelle Inhalte mitsamt Fallbeispielen mitbringen. Im Einzelnen sind das:

  • Risk Management and Competitive Intelligence
  • CI’s Position: Roles and Responsibilities from Single Practitioner to Multi-National Corporation
  • Ethics and Primary Collection
  • Intelligence 2.0
  • Analysis in Action From So What to What’s Next?
  • Counter Intelligence: Proactive Protective Measures for Sensitive Company Intelligence

Die Veranstaltung steht unter dem Motto “Navigating Risk in Uncertain Times Through CI” und richtet sich an Markt- und Wettbewerbsforscher aus ganz Europa. Ziel ist der Austausch von Ideen, aktuellen Fallbeispielen und neuen Ansätzen im Bereich der systematischen und professionellen Konkurrenzanalyse. amsterdam.jpg

Vorschläge werden noch bis zum 15. April entgegengenommen. Außerdem gibt es wie immer Halbtags- und Ganztagesworkshops, die ebenfalls besetzt werden wollen.

Nähere Informationen sowie den offiziellen “Call for Proposals” finden Sie auf der Website von SCIP unter www.scip.org.

written by Andreas Romppel

Feb 27

SCIP-Konferenz in Chicago

Die wichtigsten Trends und die neuesten Entwicklungen, neue Konzepte und aktuelle Fallbeispiele im Bereich Markt- und Wettbewerbsanalyse - all das wird Ende April wieder auf der Jahreskonferenz der Society of Competitive Intelligence Professionals (SCIP) in Chicago vorgestellt.

Wenn Sie sich über methodische und konzeptionelle Weiterentwicklungen informieren möchten, um Ihre Wettbewerbsanalyse noch systematischer und professioneller zu gestalten - dann sollten Sie an der SCIP-Konferenz in Chicago teilnehmen, dem weltweit wichtigsten Event der Competitive Intelligence-Branche. Hier geht es zum Programm, und hier können Sie sich anmelden.

Aber was, wenn Sie keine Zeit oder keine Ressourcen für Chicago frei haben? Dann buchen Sie einfach meinen halbtägigen Crashkurs - frisch von der weltweit wichtigsten Konferenz, an einem von zwei möglichen Terminen etwa zwei Wochen danach.

Dieser “Interaktive Konferenzreport” wird Anfang Mai in Wiesbaden stattfinden - weitere Einzelheiten und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

written by Andreas Romppel

Nov 13

CI Magazine 5-2008Selbstkritik und vorsichtiger Optimismus - das beschäftigt die Branche der Wettbewerbsforscher, deren Akteure in SCIP organisiert sind. Selbstkritik, weil es auch nach gut zwei Jahrzehnten nur wenigen unternehmensinternen Akteuren gelungen ist, sich als strategische Berater ihrer Vorstände zu etablieren - und weil der Verband durchaus öfter die Methoden der eigenen Profession auf sich selbst anwenden könnte und dabei noch viel effektiver wäre (wie man auch an anderer Stelle nachlesen kann). Optimismus, weil damit viel besser der neue Business Development-Fünfjahresplan für den Verband umzusetzen ist.

Im aktuellen Competitive Intelligence Magazine der Society of Competitive Intelligence Professionals (SCIP) beschäftigt sich Paul Kinsinger mit der Neupositionierung der Disziplin: wenn sie relevant bleiben will, müsse sie sich tiefer in die Organisationsstrukturen integrieren - und nicht nur den Unternehmen insgesamt, sondern auch den handelnden Individuen größeren Nutzen bringen. Kinsinger bezieht sich unter anderem auf Thomas Friedmans Buch “The World is Flat”, um die dort beschriebene Globalisierung 3.0 als Vorlage für die Praxis der Competitive Intelligence zu nutzen - und er sieht eine große Zukunft für “Diagnostiker”, die sich von reiner Recherche und Datensammlung emanzipieren.

Jonathan Calof schlägt Alarm: “We appear to be moving away from becoming a profession rather than toward it.” Das liege an dem - verglichen mit anderen Disziplinen - geringen Austausch zwischen Praxis und universitärer Forschung, aber auch an einem fehlenden Selbstbewusstsein der Akteure in Bezug auf ihre Relevanz.

Ben Gilad vermutet in seinem Artikel über “The Future of Competitive Intelligence”, dass die überwiegende Mehrheit der CI-Manager keine Primarrecherche betrieben und damit akut die Basis ihrer Position gefährdeten. Das sei aufgrund rechtlicher Schranken zugegebenermaßen schwieriger geworden als noch in den 80ern, als Primärrecherche noch das “Rückgrat” der Disziplin und vor allem das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zur Marktforschung war.

Gilad geht sogar so weit zu unterstellen, dass human source collection tot sei - was ich übrigens hiermit vor allem für den europäischen Raum vehement bestreiten würde. Außerdem sei in Zeiten des Internets die Versuchung stetig angewachsen, es mit Sekundärrecherche gut sein zu lassen - so habe sich eine “reporting school” innerhalb der CI entwickelt.

Dieser “reporting school” stehe eine “analysis school” gegenüber, zu der sich auch der Autor des Artikels zählt, was er gewohnt unterhaltsam autobiografisch begründet: “I don’t know where to find information; on a good day, I can hardly find my keys. I only know how to turn information into intelligence.” Er definiert intelligence ganz locker als “a perspective on facts” - nur diese könne man sammeln, und sie bedürften der Interpretation.

Zwar sei das Sammeln von Informationen als Aufgabe eines CI-Experten nicht ganz tot (”not quite”) - er sei aber gut beraten, sich auf Primärrecherche im eigenen Hause zu konzentrieren, das sei genauso schwer wie externe human source collection, habe aber einen Vorteil: “It is legal and ethical.”

Bis zu diesem Satz fand ich die Argumentation noch einleuchtend - aber die implizite Unterstellung, externe Primärrecherche sei illegal oder zumindest ethisch fragwürdig, ist schon dreist. Gilad projiziert fröhlich die Schwierigkeiten, die angestellten CI-Experten in den USA von den eigenen Rechtsabteilungen (ob zu Recht oder Unrecht, sei dahingestellt) gemacht werden, auf die gesamte Branche.

Dabei vergisst er, dass kulturelle, juristische und organisatorische Gegebenheiten auch ganz anders sein können, dass human source collection zum Kern der Disziplin Competitive Intelligence gehört und dass man ohne eine ethisch einwandfreie Nutzung von elicitation techniques sicher nicht zu Erkenntnissen kommt, die Relevanz für strategische Entscheidungen beanspruchen können. Außerdem ignoriert er völlig, dass genau dafür externe CI-Berater gut sind: nämlich Ethik und Effizienz in Recherche und Analyse miteinander zu vereinen.

Wer sich selbst kastriert, sollte sich nicht wundern, wenn’s nur noch zum Pfeifen im dunklen Wald reicht.

Weitere Zusammenfassungen und Kommentare demnächst an dieser Stelle…

written by Andreas Romppel

Aug 15

CI und Web 2.0 in WI… so lautet der Titel der nächsten Nachmittagsveranstaltung von dcif und SCIP, diesmal in Wiesbaden (und von mir organisiert). Das Ganze steigt am Donnerstag, den 18. September 2008 von 14 bis 18 Uhr und soll neben einem spannenden Vortrag von Prof. Martin Grothe aus Berlin auch wieder ausreichend Gelegenheit fürs Networking bieten.

Grothe ist nicht nur geschäftsführender Gesellschafter seines Unternehmens complexium GmbH, Berlin, sondern auch als Gast-Professor im Masterstudiengang „Leadership in digitaler Kommunikation“ an der Universität der Künste Berlin in Kooperation mit der Universität St. Gallen tätig. Das heißt: er steckt mitten im Thema und kann eine Menge über “Digital Intelligence” und Strategieentwicklung im Bereich Social Media Management weitergeben.

Außerdem werde ich eine kurze Einführung ins Thema bringen und dabei ein paar meiner Erfahrungen im Bereich Web 2.0 zum Besten geben (die ich ja nicht nur als CI-Berater, sondern auch als Voiceletter-Gründer gemacht habe).

Anmeldeformalitäten finden sich wie immer unter www.dcif.de.

written by Andreas Romppel