Ich bin sozusagen mit Manta-Witzen aufgewachsen und war bis vor ein paar Tagen (unbewusst) davon überzeugt, dass das Fahren von Opel-Fahrzeugen dieses Typs konstitutiver Bestandteil einer speziellen Subkultur hirnloser Proleten sei, die nicht genug Geld haben, um sich einen richtigen Sportwagen leisten zu können, dies aber mit Verstößen gegen den Paragraphen 1 der Straßenverkehrsordnung kompensieren können glauben zu müssen. Nun behauptet ein brillantes Internet-Video, die Verbreitung von Manta-Witzen sei eine gesteuerte Kampagne des Konkurrenten Porsche gewesen, der Angst um den Absatz seiner Autos gehabt habe - und ein zerknirschter Karl Dall tritt neben einem anonymisierten Porsche-Manager als Kronzeuge auf, um sämtliche Klischees einer Enthüllungs-Story zu erfüllen…
Der Beitrag funktioniert auf mehreren Ebenen: Als Karikatur einer der typischen Aufdeckungs-Stücke öffentlich-rechtlicher Politmagazine ist er technisch und inhaltlich so gut gemacht, dass man im Nachhinein froh ist (oder es schade findet…), dass er diesen Magazinen nicht angeboten wurde - er wäre sicher gesendet worden.
Als Medienprodukt im Web 2.0 hat er das Zeug dazu, virale Effekte auszulösen - er ist spannend, witzig und lässt (zumindest bei den ehemaligen Manta-Fahrern im Publikum) das Gefühl zurück, dass das Ganze so unglaublich ist, dass es einfach wahr sein muss. Und er beweist diese Qualitäten, indem er nicht nur in Blogs Diskussionen auslöst, sondern auch von Mainstream-Medien kommentiert wird.
Als Film-Übung zweier Studenten an der Filmakademie Baden-Württemberg zeigt er am Beispiel einer angeblich gut dokumentierten Verschwörungstheorie die Elemente und Stilmittel, die zur Glaubwürdigkeit einer Geschichte beitragen - ein prominenter Protagonist, ein anonymer Informant, dokumentarische Sequenzen, geheime Dokumente, Infografiken und Karten - bis hin zu seinem unfertigen Schluss, der den Eindruck erweckt, dass der Clip frühzeitig oder ungewollt veröffentlicht wurde.
Man kann beiden Unternehmen nur dazu gratulieren, dass sie (offensichtlich ungewollt) zum Gegenstand von (im weitesten Sinne) user-generated content geworden sind - und zum Glück scheinen die Zeiten vorbei zu sein, einen solchen Aufmerksamkeitserfolg durch humorlose Reaktionen auf virale Inhalte sabotieren zu wollen.
Als Konkurrenzberater werde ich dieses Stück sicher in meinen Seminaren und Beratungseinheiten einsetzen - als Einstieg zu Themen wie Medienmechanismen, die Rolle von Web 2.0-Inhalten und deren Funktion in der Positionierung eignet es sich jedenfalls hervorragend…

