Feb 07

Conversation Prism“There is no information overflow - only filter failure” - so heißt zumindest die tröstende Weisheit für alle, die fest daran glauben, dass so etwas wie Überblick nur eine Frage der Technik sei. Gut - wenn man sich die stetig wachsende Vielfalt der Kanäle anschaut, wird man ohne ein Mindestmaß an Technik nicht auskommen, und wenn man das nötige Kleingeld hat, auch spezialiserte Dienstleister beauftragen, um regelmäßig, systematisch und gezielt nach Themen und Wettbewerberaktivitäten zu suchen.

“Überblick” dient der Meinungsbildung und ist die Basis für vernünftige Entscheidungen - das betrifft die wirtschaftliche wie die politische Sphäre. Dieser Überblick wurde in der Vergangenheit frei Haus geliefert - die klassischen Massenmedien filterten Informationen und Nachrichten und stellten Öffentlichkeit her.

Mit der zunehmenden Zahl der Kanäle atomisiert sich allerdings das, was wir als Öffentlichkeit bezeichnen, und wir müssen dieses Wort plötzlich in Anführungszeichen setzen oder in der Mehrzahl schreiben. Einen lesenswerten Beitrag dazu findet sich (mal wieder) auf Telepolis, wo am Beispiel einer Crimewatch-Page gezeigt wird, dass mehr Öffentlichkeit für Tatverdächtige nicht automatisch eine höhere Prangerwirkung und damit eine populistische Bedienung von Ressentiments zur Folge hat, sondern dass mehr Öffentlichkeiten zu einer Differenzierung des Meinungsbildes führen, die ins Gegenteil der üblichen Vorverurteilung umschlagen kann:

“Bald schon könnten wir uns fragen, was denn öffentliche Meinung überhaupt sei, wenn keine homogene Öffentlichkeit mehr angegeben werden kann, das zu beantworten. Wenn die öffentliche Meinung nicht länger instrumentalisiert werden kann, um Mehrheiten zu konstruieren, steigt in Demokratien der Diskursdruck. Davon sollten Tatverdächtige gleichermaßen wie Bürger und nicht zuletzt lernfähige Politiker profitieren, so wenig anzugeben ist, ob wir hier an die Grenzen des uns bekannten Demokratiemodells geraten.”

Ich habe den Verdacht, dass die “Dummheit der Masse” nicht automatisch in die”wisdom of crowds” umschlägt, nur weil die Vielzahl der Einzelnen die massenmedialen Möglichkeiten des Netzes nutzen kann. Viel wichtiger als diese Frage ist die Tatsache, dass die zunehmende Konkurrenz der Öffentlichkeitsproduzenten die Legitimität jeder einzelnen Quelle und jedes einzelnen Kanals in Frage stellt - und damit auch die Legitimität jeder einzelnen Entscheidung, die in diesem Umfeld getroffen wird. Und wenn das nichts nützt, wird in den nächsten Eskalationsstufen die Legitimität des Entscheiders oder gar des Entscheidungssystems in Frage gestellt, wie man an Stuttgart 21 oder ganz aktuell an der ägyptischen Revolution sehen kann.

Wenn Unternehmen oder Institutionen unter diesen Bedingungen langfristig bindende Festlegungen (z.B. in Form von extern relevanten Investitionen) treffen wollen, müssen sie noch viel mehr als bisher die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen berücksichtigen - und die höheren Folgekosten von Entscheidungen, die sich nicht mit ökologischen und sozialen Globalzielen rechtfertigen lassen, gleich einkalkulieren. Das würde ich “Green Intelligence” nennen.

Wenn man eine solche Sichtweise allerdings zur Basis der Strategie eines Unternehmens macht, ist es nicht mehr damit getan, “Web 2.0″-Kanäle in die Unternehmenskommunikation einzubauen. Denn dann geht es um den Kern der Unternehmenspolitik - und nicht nur um dessen kommunikative Aufbereitung.

written by Andreas Romppel

Nov 18

Amsterdam Exhibition HallWer öfter bei SCIP-Konferenzen war (und ich mache das jetzt schon seit knapp sieben Jahren), der wird feststellen, dass sich bestimmte Inhalte wiederholen. Was gut für Einsteiger ist, kann dem erfahrenen Praktiker manchmal etwas auf die Nerven gehen - oder eine gute Gelegenheit sein, das Networking auch auf die Zeit während der Sessions auszudehnen, was ja nicht die schlechteste Lösung sein muss.

Trotzdem können altbekannte Konzepte ab und zu auch mal für Aha-Erlebnisse sorgen - mir ging es zumindest so, als mir in einer der Präsentationen der sehr gebräuchliche Myers-Briggs Type Indicator (MBTI) zur psychologischen Einordnung von Akteuren unterkam, und ich mich gefragt habe, ob eigentlich schon mal jemand auf die Idee gekommen ist, dieses Framework für das Verhalten von Unternehmen in Wettbewerbssituationen umzubauen.

Natürlich müssen die Kriterien andere sein, z.B. statt “introvertiert - extrovertiert” vielleicht “produktorientiert - marketingorientiert”, “hierarchisch - kreativ”, “prozess- versus eventorientiert”. Wenn es gelingt, die Kategorien sinnvoll auszuwählen, könnte das eine gute Basis für Szenarien oder auch War Games darstellen. Zumindest hat niemand sofort Einspruch eingelegt, als ich diese Idee in der abschließenden Podiumsdiskussion vorgestellt hatte…

Zweite Idee, die ich dem Kollegen Arie Barendregt verdanke, der die Nutzung von CI in SMEs untersucht hat: Den CI-Cycle mal nicht als (die schon so oft gehörte und kritisierte) Beschreibung eines Prozesses zu verstehen, sondern um eine zeitliche Komponente zu ergänzen und zu einem Spider-Diagramm auszubauen, um es als Analyseinstrument zum Vergleich der CI-Praxis in unterschiedlichen Unternehmen zu nutzen.

Ansonsten: Zwei brillante Keynote-Speaker, eine übersichtliche, aber entspannte Ausstellung, etliche neue Erkenntnisse aus Präsentationen und viele neue Kontakte - was will man mehr? (Na gut, die Schweinegrippe danach hätte nicht sein müssen…)

written by Andreas Romppel

Mrz 18

Eine aktuelle Diskussion der CI-Community auf Ning beschäftigt sich damit, dass der wirtschaftliche Druck offensichtlich zu einer erhöhten Anfrage nach Informationen führt, die auf ethisch einwandfreie Weise nicht beschafft werden können.

Statt darauf mit einer Aufweichung des SCIP Code of Ethics zu antworten, sollten wir dies eher als ein Symptom dafür sehen, dass Competitive Intelligence immer noch von vielen Kunden missverstanden wird - nämlich als Informationsbeschaffung über die Wettbewerber und nicht als das, was die Disziplin im Kern eigentlich ausmacht: nämlich eine Entscheidungen unterstützende Beratungsleistung.

August Jacksons BlogIn diesem Zusammenhang hat mein Kollege August Jackson eine sehr aufschlussreiche Liste typischer Missverständnisse zwischen CI-Kunden und CI-Anbietern in seinem Blog zusammengestellt, die ich hier gerne wiedergebe. Anfragen an Konkurrenzberater, die lediglich die Lieferung von Informationen über Wettbewerber zum Inhalt haben, schöpfen das Potenzial einer entscheidungsunterstützenden Beratung bei weitem nicht aus und zeichnen sich seiner Beobachtung nach regelmäßig durch folgende Eigenschaften aus:

    • Die Möglichkeit der Lieferung eindeutiger Ergebnisse wird überbewertet.
    • Die Notwendigkeit der Lieferung besonders exakter Ergebnisse wird überbewertet.
    • Quantitative Informationen werden überbewertet.
    • Aktuelle Fakten werden für wichtiger gehalten als Trendaussagen.
    • Taktisch relevante Fragen werden über-, strategische unterbewertet.
    • Ethische Fragen werden unterschätzt, insbesondere im Hinblick auf mögliche Folgekosten ethisch fragwürdigen Verhaltens.
    • Der Zeitbedarf zur Informationsbeschaffung wird regelmäßig unterschätzt.
    • Das Befolgen von Arbeitsaufträgen wird wichtiger genommen die Relevanz der Ergebnisse.
    • Informationen werden stärker beachtet als Analysen, Meinungen Dritter werden ignoriert.
    • Überproportionale Beachtung einzelner, nicht verifizierter Informationen von unqualifizierten Quellen.
    • Neigung zur Bestätigung vorgefasster Meinungen oder bereits getroffener Entscheidungen.
    • Die Bestätigung von Informationen und die Überprüfung der Analysequalität wird zu wenig ernstgenommen.

      Nur auf Basis dieser Missverständnisse ist es möglich, dass Kunden (und manchmal auch Anbieter) von Konkurrenzanalysen in Versuchung kommen, ethisch fragwürdige Abkürzungen bei der Recherche zu nehmen. Und das kann durchaus sehr schmerzhaft enden, was die Wettbewerber dann nicht ohne eine gewisse Schadenfreude zur Kenntnis nehmen…

      written by Andreas Romppel

      Apr 18

      ZfU-Seminar Business DevelopmentAntworten darauf gibt es vom 4. bis 6. Juni 2008 in Thalwil/Schweiz, denn das Zentrum für Unternehmensführung (ZfU) hat mich als Experten gebucht, um ein Seminar zum Thema Business Development mit Einsichten in Competitive Intelligence zu bereichern. Details zu diesem Seminar gibt es unter http://www.zfu.ch/weiterbildung/seminare/bddt.htm oder wahlweise hier als PDF zum Download.

      Das ZfU “versteht sich als ganzheitliche, internationale Business-School mit dem Ziel, dem mittleren und oberen Management eine umfassende, aktuelle „state-of-the art“-Weiterbildung zu bieten”. Die Bemerkung meines DCIF-Kollegen und SCIP-Fellows Rainer Michaeli, dass ich ja wohl jetzt in den Olymp aufgenommen wurde, habe ich erst so richtig verstanden, als ich gelesen habe, dass zum ZfU-Referentenpool z.B. auch Marketing-Professor Philip Kotler, Strategie-Experte Michael E. Porter von der Harvard Business School oder Tom Peters gehören. Und Rainer natürlich.

      Das ZfU bietet rund 180 aktuelle Management-Themen in über 400 öffentlichen Lehrgängen, Seminaren und Trainings an, die von etwa 10.000 Teilnehmern jährlich besucht werden.

      written by Andreas Romppel

      Mrz 20

      Ich bin ein Freund griffiger Metaphern - die können in Form von sprachlichen oder grafischen Bildern vermittelt, aber auch als Geschichte erzählt werden. Besonders gut gemachte Videospots können einem die Augen öffnen. Ein exzellentes Beispiel ist das Video, das ich bei Seth Godin gefunden habe.

      written by Andreas Romppel