Jun 01

impulse.jpg…endlich, möchte man sagen: Das Unternehmermagazin Impulse berichtet in seiner aktuellen Ausgabe unter dem Titel “Augen auf! So gelangen Sie an Informationen über Ihre Wettbewerber - und schützen sich selbst” tatsächlich über Competitive Intelligence, und sie trauen sich sogar, das Kind beim Namen zu nennen. Im Artikel selbst finden sich wieder die üblichen Halbwahrheiten - munter vermischt er ethisch einwandfreie Methoden mit fragwürdigem oder sogar illegalem Vorgehen. Da tauchen plötzlich “fiktive Headhunter” auf, dumpster diving wird flugs zu einer gängigen Methode, mit der sich angeblich “CI-Profis in Übersee schmücken”, und “Vorspiegelung falscher Tatsachen” erscheint zulässig, weil juristisch unangreifbar. Es hätte schlimmer kommen können, denn zum Glück wird das Ganze in einem separaten Kasten über “Methoden und Grenzen” von CI wieder eingefangen und richtig gestellt - es bleibt aber ein widersprüchlicher Eindruck.

Auch wenn der Artikel wieder mit Gloria Reyes anfängt (und damit genau so schon vor 15 Jahren hätte erscheinen können) - am Ende kommt immerhin Rainer Michaeli als Direktor des “Institute for Competitive Intelligence” und wichtigster Promoter der Disziplin in Deutschland ausreichend zu Wort. Unsere Branche hat es leider nach wie vor schwer - kein Wunder, denn mit Success-Stories dürfen wir nicht werben, und je zufriedener ein Kunde ist, umso weniger Interesse wird er daran haben, uns weiter zu empfehlen. Trotzdem ist die Tendenz eindeutig: immer mehr mittelständische Unternehmen investieren in eine professionelle und systematische Wettbewerbsbeobachtung. Und sind dadurch schneller am Markt, machen mehr Umsatz, kommunizieren klarer.

written by Andreas Romppel

Sep 11

Am heutigen Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 werden in der Intelligence-Community auch noch einmal die Fehler thematisiert, die sich die Geheimdienste vor den Ereignissen haben zu Schulden kommen lassen. Stephen Marrin vom Centre for Intelligence and Security Studies der britischen Brunel University nimmt die Verantwortlichen der US-Geheimdienste in Schutz und konstatiert in einem Aufsatz:

“To understand the failure of decision-makers to respond effectively to early warning from intelligence agencies about the threat from Al Qaeda, one must start with the policy environment at the time rather than the adequacy or sufficiency of the intelligence that they were provided with. One cannot understand the influence, or lack of influence, of intelligence analysis on policy by studying intelligence. Instead, one must study policy.”

Wie auch immer das Urteil über diese Frage ausfallen wird: ich halte es für sinnvoll, dass auch wir als “zivile” Competitive Intelligence-Analysten uns die Fakten und die Argumentationslinien in diesem Zusammenhang noch einmal vor Augen führen sollten, und zwar aus drei Gründen: Erstens ist Politik ein nicht zu unterschätzender Teil einer richtig verstandenen Wettbewerbsanalyse. Zweitens können wir hier anhand gut dokumentierter und recherchierter Vorgänge exemplarisch das Handwerk des “connecting the dots” beobachten. Und drittens werden intelligence failures im Wirtschaftsleben in den seltensten Fällen ausführlich untersucht und kommentiert, sondern in der Regel unter den Teppich gekehrt.

written by Andreas Romppel

Jun 19

Für unser aktuelles dcif-Event in Berlin am Dienstag, den 30.6.2009 haben wir einen zweiten Sprecher gefunden:

Apu Gosalia ist Head of Strategic Marketing bei der Fuchs Petrolub AG, einem weltweit tätigen Konzern in der Schmierstoffindustrie. Er wird über den globalen Markt und die Wettbewerbssituation in seiner Branche sprechen und besonders darauf eingehen, wie sich die aktuelle Lage auf die Branche sowie die Praxis der Competitive Intelligence in seinem Unternehmen auswirkt.

Das aktualisierte Programm:

14:00 Uhr - Meet&Greet
14:30 Uhr - Dr. Eduardo Flores Bermudez (Bayer Schering Pharma AG): “Competitive Intelligence in Zeiten der globalen Wirtschaftskrise”
15:30 Uhr - Apu Gosalia (Fuchs Petrolub AG): “Competitive Intelligence in der Schmierstoffindustrie”
16:30 Uhr - Pause mit Fingerfood und Snacks
17:00 Uhr - Podiumsdiskussion: SCIP fusioniert mit dem Frost & Sullivan Institute: Auswirkungen auf die Competitive Intelligence-Community
18:00 Uhr - Ende der Veranstaltung

Im Anschluss an diese Veranstaltung möchten wir uns zu einer informellen Runde in einem der Restaurants in der Nähe zusammensetzen - auch dazu eine herzliche Einladung.

Auch hier noch einmal der Hinweis darauf:  wer 10 Euro drauflegt und für 100 Euro Mitglied im dcif wird, braucht für diese Veranstaltung wie für alle weiteren regulären dcif-Veranstaltungen in den nächsten zwölf Monaten nichts zu bezahlen. Alle anderen zahlen 90 Euro (jeweils inkl. MwSt.) bzw. 45 Euro (Studenten) oder bekommen als SCIP- oder DGI-Mitglieder einen Rabatt von 20%.

Weitere Infos finden Sie unter www.dcif.de, Anmeldung gerne auch bei mir direkt unter romppel [at] dcif [Punkt] de.

written by Andreas Romppel

Mai 28

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Nach einem dramatischen Appell an die Mitglieder der Society of Competitive Intelligence Professionals, sich an der Abstimmung über den Merger mit dem Frost & Sullivan Institute zu beteiligen, um eine drohende Insolvenz abzuwenden, konnten SCIP-Vorsitzende Martha Gleason sowie CEO Ken Garrison am 22. Mai mit einer gewissen Erleichterung verkünden, dass die Fusion mit 94 Prozent der abgegebenen Stimmen unterstützt wurde.

In der nächsten Phase werde eine interne Überprüfung der Prozesse, Funktionen und Dienstleistungen von SCIP stattfinden, um potenzielle Synergien zu finden. Die Umsetzung werde einige Monate brauchen.

In der Zwischenzeit hat sich bereits eine sehr lebhafte und kreative Diskussion auf der Ning-Plattform entwickelt, die eine Menge an Vorschlägen zu möglichen und notwendigen Veränderungen hervorgebracht hat. Wie man aus dem SCIP-Board hört, werden diese sorgfältig geprüft. Interessanterweise stammen viele der Vorschläge von Leuten, die (schon lange) nicht (mehr) SCIP-Mitglieder sind. Ob sich diese dann auch in eine reformierte und hoffentlich schlagkräftigere Organisation einbinden lassen, muss sich erst noch zeigen.

Der SCIP-Vorstand steht jedenfalls im Moment vor dem Dilemma, sich die für das Krisenmanagement notwendige Geschlossenheit dadurch zu bewahren, indem man sich in der sehr dynamischen öffentlichen Diskussion zurückhält - während genau dies dazu führt, dass der eigene Spielraum schrumpft. Die Zeiten (vor Twitter, Blogs, Wikis und vor allem Social Networks wie in unserem Fall Ning), in denen eine Community über eine Top-Down-Kommunikation informiert wurde und sie darauf lediglich mit relativ geringer öffentlicher Wirkung reagieren konnte, sind endgültig vorbei. Das macht Führungsaufgaben schwerer, deckt Kommunikationsdefizite schneller auf und erweckt den Eindruck, dass jemand, der sich auf notwendigerweise nicht-öffentliche Aufgaben konzentrieren muss, kein Interesse an einer öffentlichen Diskussion hat.

written by Andreas Romppel

Mai 11

chicago3-350px.jpgEnde April fand wieder die Jahreskonferenz der internationalen Berufsvereinigung der Konkurrenzforscher SCIP statt, diesmal in Chicago. Die Krise ist nicht spurlos an unserem Berufsstand vorbeigegangen - das zeigte schon die gesunkene Zahl der Aussteller und Teilnehmer des Events. Aber auch an der für viele überraschenden Ankündigung aus der letzten Woche, dass SCIP einen Merger mit dem Frost & Sullivan Institute plant, um eine mögliche Zahlungsunfähigkeit abzuwenden (dazu weiter unten mehr).

Beim Rundgang über die Ausstellungshalle zeigte sich, dass die Mehrheit der Anbieter den Umständen entsprechend zufrieden waren. Die gut 500 Teilnehmer der Konferenz waren fast ausschließlich ernsthaft interessiert, so die Auskunft - die Gespräche seien intensiver und verbindlicher gewesen, was angesichts der allgemeinen Budgetkürzungen auch zu erwarten war.

Inhaltlich lag ein besonderer Schwerpunkt in diesem Jahr auf “CI 2.0″ - also die Frage, wie sich Competitive Intelligence durch das Web 2.0 verändert. Einen weiteren Schwerpunkt habe ich bei der Frage ausgemacht, was Konkurrenzanalyse im Zeichen der Krise bedeutet, wo ihr spezifischer Nutzen bzw. der ROI liegt und welche Methoden effektiv, aber auch besonders kostengünstig sind. Zur Konferenz habe ich ein Seminar aufgesetzt, auf dem ich diese Woche (12. Mai) in Wiesbaden die wichtigsten Inhalte und Trends referiere.

chicago2-250px.jpgAls Vertreter des Deutschen Competitive Intelligence Forum (dcif) waren Rainer Michaeli und ich dabei. Rainer Michaeli wurde auf der Konferenz übrigens mit dem Fellows Award für seine außergewöhnlichen Verdienste um das Berufsfeld CI sowie für seine Unterstützung von SCIP als Organisation ausgezeichnet.

Die Mehrzahl der Mitglieder von SCIP kommt weiterhin aus den USA - trotzdem wird SCIP insgesamt internationaler. Das zeigt sich meiner Meinung nach in der gestiegenen Bedeutung nationaler Zusammenschlüsse nach dem Vorbild des dcif, aber auch in der Zusammensetzung des Vorstands. Dem gehören inzwischen Mitglieder aus Deutschland, der Schweiz, Brasilien und Argentinien an.

Eine dramatische Entwicklung in Bezug auf die finanzielle Lage von SCIP wurde in der letzten Woche öffentlich, als die SCIP-Präsidentin Martha Gleason in einem Brandbrief die Mitglieder des Berufsverbandes dazu aufforderte, einem Merger mit dem Frost & Sullivan Institute zuzustimmen. Die Alternative sei eine Einstellung der Tätigkeit bis zum Ende des zweiten Quartals. SCIP konnte in den letzten Jahren keine Rücklagen bilden und macht - wie viele andere Verbände auch - einen wesentlichen Teil seines Umsatzes über die Jahreskonferenz, der dieses Jahr deutlich geringer ausfiel. Das zeichnete sich aufgrund der allgemeinen Wirtschaftslage schon ab, und seit einem halben Jahr wurden die verschiedensten Optionen geprüft. Als einzig praktikable und - den Umständen entsprechend - optimale Lösung wurde nun der Merger empfohlen. Die Mehrheit der SCIP-Mitglieder, die sich bisher dazu geäußert haben (z.B. im CI-Network auf Ning), steht dem Merger positiv gegenüber.

written by Andreas Romppel