Kritik an der Arbeitspraxis von Journalisten findet sich in einem neuen Buch des Kommunikationswissenschaftlers Siegfried Weischenberg, das hier von Yvonne de Andrés rezensiert wurde. Sie schreibt:
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Alarmierende Erkenntnisse der Studie sind z. B. dass die Zeitspanne, die Journalisten täglich mit Recherche verbringen, gegenüber der Studie von 1993 noch abgenommen (1993: 140 Minuten pro Tag; 2005: 117 Minuten) hat. Das Rollenverständnis der Journalisten tendiert außerdem immer stärker dazu, die Öffentlichkeit nur zu informieren. Immer weniger Journalisten verstehen sie sich als Anwälte der Öffentlichkeit bei der Kontrolle von Politik und Wirtschaft (2005: 24%; 1993 noch 37%)… Insgesamt tendieren die Macher der Studie eher zu der skeptischen Erkenntnis, dass wir uns einem Ende des Zeitalters des Journalismus nähern. Statt Information und Recherche nehmen Ökonomisierung und Entertainisierung immer weiter zu. Das sich dramatisch verändernde Selbstverständnis der Journalisten, informieren statt kontrollieren, ist nur ein wichtiger Beleg auf diesem Weg.
Es sind, so Weischenberg, vor allem die kleinen Sünden, die den Journalismus zerstören. „(1.) Da sitzt der politische Korrespondent vor dem Fernsehapparat und schaut Phoenix, statt vor Ort zu sein; (2.) da wird aus Radio-Interviews zitiert, obwohl man davon nur eine karge Agenturfassung kennt; (3.) da werden Zitate aus anderen Medien übernommen - ungeprüft und ohne die Quelle zu nennen; (4.) da werden Erträge aus Pressekonferenzen und journalistischen Massenabfertigungen durch Prominente als „Exklusiv-Interviews“ präsentiert und (5.) sind „Reportagen“ das Ergebnis von „Recherchen“ in der Suchmaschine Google.“ (S. 25)
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Dies nur als Nachtrag zu meinem kleinen PR-Kapitel im Buch…
Hier die bibiliografischen Daten: Siegfried Weischenberg u. a., Die Soffleure der Mediengesellschaft, Konstanz 2006, 315 S., ISBN 13: 978-89669-586-4, UVK Verlagsgesellschaft mbH, 19.90 €