Okt 21

Der “Spiegel” war früher mal bekannt für gute Recherche und dafür, nicht auf Teufel komm raus kulturkonservative Ansichten vertreten zu müssen, die man so selbst in der FAZ kaum noch findet. Schon toll, dass man diesen Ruf auch mit einem einzigen Meinungsbeitrag auf Spiegel Online nachhaltig beschädigen kann. Das macht nämlich Christian Stöcker, der sich mit der Diskussion um den E-Book-Reader Kindle von Amazon beschäftigt. Er weiß: Alles Panikmache! Veränderung der Geschäftsmodelle? Ach was! Niedergang der Verlagsbranche durch wildes Raubkopieren wie in der Musikindustrie? Nie im Leben!

Aber die Begründungen für diese Überzeugungen überzeugen dann doch nicht - wenn der Autor es überhaupt für nötig hält, sie anzuführen. Die Menschen werden sich nicht für Hunderte von Euro einen E-Book-Reader zulegen, weil sie den traditionell fürs Bücherlesen ja gar nicht brauchen? Naja - ein Blick auf die Preisentwicklung bei MP3-Playern hätte gezeigt, dass diese inzwischen teilweise weniger kosten als ein gutes Buch. Möglicherweise hat sich ein Kindle der übernächsten Generation (also vermutlich ab 2010) dann schon beim vierten oder fünften Buch amortisiert…

KindleMan könne seine Büchersammlung nicht digitalisieren, um sie (analog zu seinen MP3-Dateien) mit in den Urlaub zu nehmen? Ich würde das sicher nicht tun, aber ich würde wetten, dass ich in Windeseile Gleichgesinnte im Netz finde, die ihre legal, aber digital erworbenen Bücher brüderlich mit mir teilen. Warum das bei Text-Bytes anders sein soll als bei Musik-Bytes, ist mir schleierhaft.

Eine wirklich wunderbare Warnung ist die Bemerkung, dass es erst dann fürs gedruckte Buch gefährlich werde, “wenn aus Handys oder Mini-Notebooks wirklich tragbare Multi-Medien-Spieler geworden sind, faltbar, mit wochenlanger Akkulaufzeit und überragenden Displays… Erst dann werden auch Raubkopien, Abo-Modelle und Buch-Flatrates ernsthaft diskutiert werden müssen.”

Willkommen im Jahr 2008, lieber Freund! Die Innovationszyklen in der Buchbranche mögen sich in Jahrhunderten bemessen, bei elektronischen Unterhaltungsgeräten sind es nur Monate. Wer so lange zum Denken braucht, kann am Beispiel der Musikbranche ja ablesen, wie sich der Umsatz mit physischen Manifestationen kultureller Produkte entwickelt, wenn man sich nix einfallen lässt.

Wer dafür zahlen würde, “ganze Bibliotheken reisefertig zu machen”? Na klar, niemand. Jedenfalls nicht die Summe, die man für Bücher in atomarer Gestalt zahlt. Geradezu rührend finde ich auch die Vorstellung, dass das Abendland dadurch gerettet würde, dass “auch E-Bücher der Buchpreisbindung unterliegen werden”. Nichts gegen die Buchpreisbindung - wir sitzen alle in derselben großen Badewanne, und die Buchpreisbindung ist der Stöpsel, den man nur zu ziehen braucht, wenn man die literarische und verlegerische Landschaft austrocknen will. Aber: Selbst wenn ein E-Book (von mir aus mit E-Rabatt) der Buchpreisbindung unterliegt, wird es im Gegensatz zum gedruckten Buch trotzdem zillionenfach kopiert werden können, ohne dass es das selber merkt oder Autoren, Verleger und Händler auch nur einen Cent daran verdienen müssen.

Noch ein Wort zur Usability: Akkulaufzeiten werden länger (übrigens: E-Ink ist geduldig!),  auch in elektronischen Büchern “kann man Passagen anstreichen und Seiten mit virtuellen Klebezettelchen markieren”, und meine Schwägerin liest jetzt seit knapp zwei Jahren regelmäßig alle möglichen Bücher über einen aus Japan importierten E-Book-Reader und hat das bisher nicht nur überlebt, sondern will das auch weiter tun (leben und lesen).

“Das Buch hat noch ein langes Leben vor sich.” Ja. Aber das war doch gar nicht die Frage.

Erst, wenn die Verlagsbranche ebenfalls dreißig Prozent ihres Umsatzes verloren haben wird, werdet ihr merken, dass man Papier nicht essen kann.

written by Andreas Romppel

Aug 15

CI und Web 2.0 in WI… so lautet der Titel der nächsten Nachmittagsveranstaltung von dcif und SCIP, diesmal in Wiesbaden (und von mir organisiert). Das Ganze steigt am Donnerstag, den 18. September 2008 von 14 bis 18 Uhr und soll neben einem spannenden Vortrag von Prof. Martin Grothe aus Berlin auch wieder ausreichend Gelegenheit fürs Networking bieten.

Grothe ist nicht nur geschäftsführender Gesellschafter seines Unternehmens complexium GmbH, Berlin, sondern auch als Gast-Professor im Masterstudiengang „Leadership in digitaler Kommunikation“ an der Universität der Künste Berlin in Kooperation mit der Universität St. Gallen tätig. Das heißt: er steckt mitten im Thema und kann eine Menge über “Digital Intelligence” und Strategieentwicklung im Bereich Social Media Management weitergeben.

Außerdem werde ich eine kurze Einführung ins Thema bringen und dabei ein paar meiner Erfahrungen im Bereich Web 2.0 zum Besten geben (die ich ja nicht nur als CI-Berater, sondern auch als Voiceletter-Gründer gemacht habe).

Anmeldeformalitäten finden sich wie immer unter www.dcif.de.

written by Andreas Romppel

Aug 11

DIE WELT über CIDIE WELT hat in ihrer Samstagsausgabe einen recht ausführlichen Artikel von Annette Zellner veröffentlicht, die sehr fair und ausgewogen mit dem Thema Competitive Intelligence umgeht - daher wird der Titel “Spionieren in der Grauzone” im Artikel selbst umgehend wieder dementiert…

Gefreut hat mich auch, dass (neben mir) die Kollegen Rainer Michaeli und Christan Muth zu Wort kommen. Rainer hat mit seiner Pionierarbeit als Praktiker und Anbieter von Weiterbildungsmaßnahmen die Disziplin in Deutschland entscheidend vorangebracht, und Christian Muth ist einer der wenigen ehemaligen “Government Intelligence”-Experte, der sich zudem auf Counterintelligence bzw. CI-Defense spezialisiert hat.

written by Andreas Romppel

Aug 11

Ich bin sozusagen mit Manta-Witzen aufgewachsen und war bis vor ein paar Tagen (unbewusst) davon überzeugt, dass das Fahren von Opel-Fahrzeugen dieses Typs konstitutiver Bestandteil einer speziellen Subkultur hirnloser Proleten sei, die nicht genug Geld haben, um sich einen richtigen Sportwagen leisten zu können, dies aber mit Verstößen gegen den Paragraphen 1 der Straßenverkehrsordnung kompensieren können glauben zu müssen. Nun behauptet ein brillantes Internet-Video, die Verbreitung von Manta-Witzen sei eine gesteuerte Kampagne des Konkurrenten Porsche gewesen, der Angst um den Absatz seiner Autos gehabt habe - und ein zerknirschter Karl Dall tritt neben einem anonymisierten Porsche-Manager als Kronzeuge auf, um sämtliche Klischees einer Enthüllungs-Story zu erfüllen…

Der Beitrag funktioniert auf mehreren Ebenen: Als Karikatur einer der typischen Aufdeckungs-Stücke öffentlich-rechtlicher Politmagazine ist er technisch und inhaltlich so gut gemacht, dass man im Nachhinein froh ist (oder es schade findet…), dass er diesen Magazinen nicht angeboten wurde - er wäre sicher gesendet worden.

Als Medienprodukt im Web 2.0 hat er das Zeug dazu, virale Effekte auszulösen - er ist spannend, witzig und lässt (zumindest bei den ehemaligen Manta-Fahrern im Publikum) das Gefühl zurück, dass das Ganze so unglaublich ist, dass es einfach wahr sein muss. Und er beweist diese Qualitäten, indem er nicht nur in Blogs Diskussionen auslöst, sondern auch von Mainstream-Medien kommentiert wird.

Als Film-Übung zweier Studenten an der Filmakademie Baden-Württemberg zeigt er am Beispiel einer angeblich gut dokumentierten Verschwörungstheorie die Elemente und Stilmittel, die zur Glaubwürdigkeit einer Geschichte beitragen - ein prominenter Protagonist, ein anonymer Informant, dokumentarische Sequenzen, geheime Dokumente, Infografiken und Karten - bis hin zu seinem unfertigen Schluss, der den Eindruck erweckt, dass der Clip frühzeitig oder ungewollt veröffentlicht wurde.

Man kann beiden Unternehmen nur dazu gratulieren, dass sie (offensichtlich ungewollt) zum Gegenstand von (im weitesten Sinne) user-generated content geworden sind - und zum Glück scheinen die Zeiten vorbei zu sein, einen solchen Aufmerksamkeitserfolg durch humorlose Reaktionen auf virale Inhalte sabotieren zu wollen.

Als Konkurrenzberater werde ich dieses Stück sicher in meinen Seminaren und Beratungseinheiten einsetzen - als Einstieg zu Themen wie Medienmechanismen, die Rolle von Web 2.0-Inhalten und deren Funktion in der Positionierung eignet es sich jedenfalls hervorragend…

written by Andreas Romppel

Jun 11

Executive SearchDa ich im Moment für die Stelle eines “Head of Business Intelligence” nicht zur Verfügung stehe, gebe ich die folgende Anfrage gerne an die Leser meines Blogs weiter:

“We are looking, for our client, who is a world leader in agribusiness, for a professional with extensive experience in business/market intelligence and who will be considered an expert in intelligence gathering, analysis, interpretation and presentation to take up the role of Head of Business Intelligence and deliver a true up-grade of the function to shift it into a true insight and foresight tool. Knowledge of the agricultural industry would be highly advantageous. The candidate will have an extensive network of contacts and be accomplished at managing it. We are looking for an entrepreneurial and analytical type of person with an outstanding ability to influence and strong communication skills. Fur further information, please send a resume to Marie-Garance Leroy, Recruiting Director with Ken Clark International, who will provide you with a detailed information.” Interessenten wenden sich an gleroy [bei] kenclark [Punkt] com und können sie auch unter der Telefonnummer +41 (0)61 205 1762 erreichen.

Die Kontaktdaten hätte ich jetzt auch weglassen können, denn wer sich auf eine solche Position bewirbt, sollte das selbst herausbekommen könnnen… :-)

written by Andreas Romppel