Heute bin ich von meinem zweiten Einsatz als CI-Experte beim Zentrum für Unternehmensführung (ZfU) zurückgekommen. Bei meinem Beitrag zum Thema Business Development im Rahmen eines “Kaminfeuergesprächs” konnte ich die Möglichkeiten von Competitive Intelligence in der Kürze der Zeit nur anreißen, hatte dann aber die Gelegenheit, die Diskussion mit ein paar der Teilnehmer an der Bar noch fortzusetzen. Besonders die Frage nach Legalität und Legitimität von Recherchemethoden hat diesmal eine Rolle gespielt.
Meine Argumentation: Man kann sich die Gesamtmenge der wünschenswerten Information als eine Pyramide vorstellt, an deren Spitze die obersten fünf Prozent geheimer Informationen stehen. Diese kann man höchstens mit illegalen Methoden erwerben - und sie fehlen deshalb notwendigerweise. Aber: man braucht sie auch gar nicht, um das Gesamtbild zu erfassen, eine Entwicklungsrichtung festzustellen oder um Hypothesen über die Absichten und Ziele von Wettbewerbern anhand von ausgewerteten Indikatoren zu falsifizieren.
Der bewusste Verzicht auf die Ermittlung von geschützten Informationen, der zum Kernbestand einer ethisch einwandfreien CI-Recherche gehört, schmälert den Erkenntniswert einer Analyse nur in einem sehr geringen Maß. Sicher würde ich mir manchmal wünschen, auch an diese Informationen heranzukommen - aber es ist doch viel sinnvoller, zunächst effektive Prozesse zur Sammlung, Analyse und internen Verbreitung von wettbewerbsrelevanten Erkenntnissen aufzubauen. Solange ein Großteil der Unternehmen es nicht auf die Reihe bekommt, seine Hausaufgaben in diesem Gebiet zu machen, ist der beliebte Hinweis, das ginge alles nur auf illegale Weise, ein reines Ablenkungsmanöver…